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Mann vor einem Fenster in einem Bürogebäude
Zukunft Arbeit

„Innovation braucht Menschen, die quer denken“

Die Innovationsfähigkeit der Unternehmen ist ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg Vorarlbergs. Gleichzeitig ist es schwierig, die dafür notwendigen Fachkräfte zu finden. Das verdeutlicht auch der Vorarlberger Innovationsbericht 2026, den die Wirtschafts-Standort Vorarlberg GmbH (WISTO) bereits zum vierten Mal veröffentlicht hat. Im Gespräch erzählt WISTO-Geschäftsführer Jimmy Heinzl über Personalgewinnung, Kompetenzen und was Unternehmen tun können, um sich auf die Zukunft vorzubereiten.

 

Jimmy Heinzl, wie wichtig ist Innovation für den wirtschaftlichen Erfolg der Vorarlberger Unternehmen?

Heinzl: Innovation ist die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg. Die von uns befragten Unternehmen halten auf ihren Wettbewerbsmärkten hohe Marktanteile und erzielen ihre Gewinne nicht primär über den Preis, sondern über Produktqualität und Innovationskraft. Durch Forschung und Entwicklung werden die Produkte laufend besser. Das zeigt sich bei Großunternehmen ebenso wie bei Start-ups. Beispiele sind Unternehmen wie Doppelmayr, Bachmann oder Terratec Maschinenbau.

Als häufigste Hemmnisse nennen Unternehmen eine stärkere Fokussierung auf das Kerngeschäft sowie fehlende Finanzierung und Förderung für Projekte. Auch der Mangel an qualifiziertem Personal wird als Einschränkung genannt. Warum?

Heinzl: Es gibt einen Grundbedarf an Forschungs- und Entwicklungspersonal über alle Branchen hinweg. Dieser Bedarf ist weitgehend von der Konjunktur entkoppelt. Auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten wird in diesem Bereich investiert, weil die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben müssen. Wir beobachten hier ein azyklisches Verhalten. Gleichzeitig ist es für die Betriebe schwierig, geeignetes Personal zu finden. Wenn sich die Möglichkeit bietet, eine Fachkrafteinzustellen, wird diese Chance in der Regel auch genutzt.

Wie versuchen Unternehmen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Heinzl: Ein wichtiger Ansatz sind Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen. Dadurch können Unternehmen fehlende Kompetenzen teilweisekompensieren. Gleichzeitig wird das Lernen innerhalb der Unternehmen immer wichtiger. Gerade bei digitalen Technologien brauchen wir Fachkräfte, von Künstlicher Intelligenz über Cybersecurity bis hin zu Smart Production. Aber auch im Projektmanagement oder bei den Soft-Skills wie Führungskompetenz ist qualifiziertes Personal gefragt. Unternehmen müssen deshalb ihre eigenen Mitarbeitenden weiterentwickeln und ihnen Möglichkeiten zur Weiterbildung geben.

Jimmy Heinzl, WISTO-Geschäftsführer und regionaler Standortentwickler mit weitreichendem Netzwerk.

Wo sehen Sie Möglichkeiten, zusätzlich qualifiziertes Personal zu gewinnen?

Heinzl: Wir haben ein Delta zwischen der verfügbaren und der benötigten Arbeitskraft. Deshalb stellt sich die Frage: Wie können wir das vorhandene Potenzial besser mobilisieren? Ein Beispiel sind bessere Kinderbetreuungsangebote, um das Arbeitskräftepotenzial stärker zu nutzen. Weitere Möglichkeiten sind technologische Weiterentwicklung, Anreize für Mehrarbeit oder ein geregelter Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland. Grundsätzlich sollte aber im Vordergrund stehen, das bereits vorhandene Potenzial im Landbesser zu nutzen. Die demografische Entwicklung wird uns hier ohnehin einiges abverlangen.

Acht von zehn der befragten Unternehmen sehen Weiterbildungsbedarf bei ihren F&E-Spezialist_innen sowie Innovationsmitarbeitenden. Welche Bedeutung haben dabei Ausbildung und Bildungssystem?

Heinzl: Es gilt, die Workforce in den Unternehmen zu stärken - durchüberbetriebliche Ausbildung ebenso wie durch eine gute Erstausbildung. Dafür braucht es auch ein Umdenken im Bildungssystem. Mit der Entwicklung neuer Technologien müssen sich die Curricula weiterentwickeln und an die Anforderungen der Wirtschaft angepasst werden. Gleichzeitig sehe ich gerade bei Jugendlichen großes Potenzial. Sie haben einen sehr natürlichen Umgang mit technischen Geräten. Entscheidend ist, diese Fähigkeiten in produktive Tätigkeiten in der Wirtschaft zu überführen.

Werden wir in Zeiten der Künstlichen Intelligenz zukünftig die Fachkräfte noch brauchen, die uns heute fehlen?

Heinzl: KI übernimmt zunehmend auch Aufgaben, die nicht rein repetitiv sind. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Arbeit nicht verschwinden wird. Das hat sich auch bei früheren technologischen Entwicklungen gezeigt. Was sich verändern wird, sind die Tätigkeiten und damit auch die Anforderungen an die Qualifikationen. Die Arbeit verändert sich, aber den Menschen wird es weiterhin brauchen. Diese Transformation erfolgt in der Regel auch nicht abrupt. Unternehmen können sich darauf einstellen und Weiterbildungen anbieten. Das passiert bereits und ist Teil einer kontinuierlichen Entwicklung.

Was können Unternehmen konkret tun, um sich auf die Zukunft vorzubereiten?

Heinzl: Es gibt mehrere Möglichkeiten. Unternehmen sollten Freiräume schaffen, damit sich Mitarbeitende mit neuen Technologien auseinandersetzen und eigene Lösungen entwickeln können. Oft sind es besonders engagierte Mitarbeitende, die sich zuerst mit den Neuerungen beschäftigen und anschließend ihr Wissen an Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Besonders wichtig ist aber die Kooperation zwischen Unternehmen entlang der Supply Chain. Hier hat sich in Vorarlberg in den vergangenen Jahren sehr viel entwickelt. Unternehmen profitieren gegenseitig vom Wissen und den Erfahrungen anderer. Ähnliche Modelle gibt es auch in der Lehrausbildung, wenn mehrere Unternehmen gemeinsam Ausbildungsmodule anbieten. Auch die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Fachhochschulen sollte weiter gestärkt werden. Unternehmen müssen nicht jede Kompetenz selbst aufbauen. Bestimmte Fähigkeiten braucht es im eigenen Haus, andere können extern eingekauft werden. Entscheidend ist eine gute Mischung.

Welche Kompetenzen braucht es künftig für Innovation?

Heinzl: Innovation braucht vor allem gute Mitarbeitende. Es braucht Menschen, die quer denken, Dinge anders machen und kreativ sind. Genau hier liegen Fähigkeiten, die Menschen besonders gut einbringen können. Vorarlberg verfügt über eine hohe Innovationskraft und auch über eine bemerkenswerte Zahl an Patenten. Wir haben viele findige Menschen im Land und gleichzeitig einen hohen Anspruch, Dinge gut zu machen.

Müssen wir uns also keine Sorgen um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg machen?

Heinzl: Ich fürchte mich nicht um die Zukunft des Landes. Unsere Unternehmen sind innovativ und können unternehmerische Risiken gut einschätzen. Ein gutes Beispiel für den Erfindergeist junger Unternehmen ist Vertic Greens in Dornbirn. Dort wird automatisiertes „Vertical Farming“ betrieben. Transportsysteme und Roboter betreuen die Pflanzen und überwachen ihr Wachstum. Solche Beispiele zeigen, dass wir bei der Kommerzialisierung von Technologien stark sind. Wir verstehen es, Wissen in Produkte und wirtschaftlichen Erfolg zu übersetzen.

„Wirtschafts-Standort Vorarlberg“ Betriebsansiedlungs GmbH (WISTO)

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Wir bringen Arbeitsuchende und Unternehmen zusammen. Durch persönliche Vermittlung, die Online-Jobplattform „alle jobs“ sowie in Zusammenarbeit mit Partnerinstituten. zusammenbringen.ams.at

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