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Zusammenarbeit mit sozialen Unternehmen

Das Netzwerk arbeit plus - Soziale Unternehmen Vorarlberg, zu dem die Mitgliedsbetriebe AQUA Mühle Vorarlberg, Carla Vorarlberg, Dornbirner Jugendwerkstätten, INTEGRA Vorarlberg und Kaplan Bonetti Arbeitsprojekte gehören, unterstützt langzeitbeschäftigungslose Menschen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Im Interview spricht Ulrike Schmid-Santer, Geschäftsführerin von arbeit plus – Soziale Unternehmen Vorarlberg, über gute Arbeit, nachhaltige Personalvermittlung und darüber, warum Unternehmen auf das Potenzial von am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen setzen sollten.

Warum wurde der Verein arbeit plus – Soziale Unternehmen gegründet?

Schmid-Santer: Hintergrund der Gründung von arbeit plus war der Wunsch des AMS, eine zentrale Ansprechperson für alle sozialen Unternehmen zu haben. Arbeit plus ist heute als Dachorganisation österreichweit vertreten und verfügt in jedem Bundesland über eine Landesorganisation. Als Dachorganisation vertreten wir die Interessen unserer Mitgliedsbetriebe und setzen uns dafür ein, dass sie optimale Rahmenbedingungen vorfinden, um ihren sozial- und arbeitsmarktpolitischen Auftrag erfolgreich zu erfüllen. Dafür sind wir in regelmäßigem Austausch mit zentralen Akteurinnen und Akteuren des Arbeitsmarktes, sowohl auf Bundesebene wie auch regional. Dabei ist das übergeordnete Ziel, gute Arbeit für alle Menschen zu schaffen.

Und was bedeutet gute Arbeit für Sie?

Schmid-Santer: Gute Arbeit bedeutet für mich, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können und dadurch finanzielle Sicherheit für sich und ihr familiäres Umfeld haben. Sie ermöglicht Teilhabe, nicht nur am Arbeitsmarkt, sondern auch am gesellschaftlichen Leben. Gute Arbeit bietet zudem Chancen zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung. Sie trägt dazu bei, dass Menschen emotional und gesundheitlich erwerbs-fähig bleiben, sich mit ihren Stärken einbringen können und Anerkennung für ihre Leistung erfahren.

Was sind die wesentlichen Herausforderungen für soziale Unternehmen?

Schmid-Santer: Eine der größten Herausforderungen sind die strukturellen Rahmenbedingungen. Arbeitsverhältnisse können maximal für ein Jahr abgeschlossen werden. Für Betriebe, die betriebswirtschaftlich verantwortungsvoll geführt werden müssen, wären längerfristige Vereinbarungen deutlich sinnvoller. Zudem zeigen Studien, dass längere Beschäftigungsverhältnisse die nachhaltige Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt verbessern. Es gibt Menschen, die sehr rasch wieder in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden können. Andere benötigen mehr Zeit, weil zunächst gesundheitliche, soziale oder persönliche Themen geklärt werden müssen.

Ulrike Schmid-Santer ist Geschäftsführerin bei arbeit plus - Soziale Unternehmen Vorarlberg.

Und schließlich gibt es eine dritte Gruppe, für die eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt aus unterschiedlichen Gründen derzeit kaum möglich ist, da ihre Möglichkeiten nicht mit den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes übereinstimmen. Unsere Aufgabe ist es, auch diesen Menschen Teilhabe durch sinnvolle Beschäftigung zu ermöglichen. Ein weiterer Ansatzpunkt betrifft die Vergabe öffentlicher Aufträge. Hier könnten soziale Kriterien stärker berücksichtigt werden. Unternehmen, die Langzeitarbeitslose oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen beschäftigen und damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten, sollten bei öffentlichen Vergaben stärker berücksichtigt werden.

Warum ist das Thema Langzeitbeschäftigungslosigkeit besonders relevant?

Schmid-Santer: Jeder Tag in Arbeitslosigkeit macht etwas mit den betroffenen Personen. Langzeitbeschäftigungslosigkeit belastet nicht nur die finanzielle Situation, sondern wirkt sich auch auf die psychische, körperliche und moralische Verfassung der Betroffenen aus. Wir leben in einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der sich die Vorstellung hält, dass jeder Mensch, der arbeiten möchte, auch eine Beschäftigung finden könne. Diese Annahme greift jedoch zu kurz. Die Gründe für Arbeitslosigkeit sind vielfältig und reichen von gesundheitlichen Einschränkungen über fehlende Qualifikationen bis hin zu strukturellen Problemen am Arbeitsmarkt.

Personen, die in einem sozialen Unternehmen arbeiten, bilden keine homogene Gruppe. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Biografien, Qualifikationen, Erfahrungen und Herausforderungen. Einzelne negative Erfahrungen von Unternehmen mit einer Person aus einem sozialen Unternehmen sollten daher nicht auf alle Beschäftigten übertragen werden. Es braucht mehr Offenheit und Verständnis im Umgang mit Menschen, die lange arbeitslos waren. Sie werden noch immer zu oft stigmatisiert, anstatt ihre Fähigkeiten und Potenziale in den Blick zu nehmen. Häufig scheitert es schon daran, dass sie gar nicht die Chance erhalten, sich persönlich vorzustellen.

Wie profitieren Betriebe von der Zusammenarbeit mit sozialen Unternehmen?

Schmid-Santer: Menschen, die bei sozialen Unternehmen angestellt sind, stehen nicht außerhalb des Arbeitsmarktes, sondern befinden sich in einem aktiven Beschäftigungsverhältnis. Sie sammeln Berufserfahrung, erwerben neue Kompetenzen und stabilisieren ihren Arbeitsalltag. Diese Beschäftigung kann eine entscheidende Brücke zu Unternehmen und damit zurück in den ersten Arbeitsmarkt darstellen. Soziale Unternehmen kennen die bei ihnen beschäftigten Menschen gut und können ihre Fähigkeiten realistisch ein-schätzen. Von diesem Wissen profitieren Unternehmen und die Chancen auf eine erfolgreiche Vermittlung erhöhen sich.

Der Vermittlungserfolg hängt allerdings stark von der wirtschaftlichen Lage ab. Der Arbeitsmarkt ist derzeit wenig aufnahmefähig, weshalb viele Unternehmen zurückhaltend sind. Umso wichtiger sind enge Kontakte zur Wirtschaft. Deshalb betreiben wir eine gemeinsame interne Personal-vermittlungsplattform. Unternehmen melden offene Stellen an ein soziales Unternehmen oder an arbeit plus, diese werden in die Plattform eingearbeitet und stehen anschließend allen Mitgliedsbetrieben zur Verfügung. So können passende Personen gezielt vermittelt und Betriebe direkt kontaktiert werden.

Welche Entwicklungen sehen Sie am Arbeitsmarkt und warum sollten Unternehmen zukünftig stärker auf eine inklusivere Personalpolitik setzen?

Schmid-Santer: Einerseits befinden wir uns in einer anhaltenden wirtschaftlichen Rezession. Unternehmen schreiben weniger Stellen aus, gleichzeitig steigen die Hürden im Bewerbungsprozess. Besonders betroffen sind Menschen, die bereits länger arbeitslos sind, sowie ältere Arbeitssuchende. Ihre Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch sinken häufig, obwohl sie über wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen verfügen.

Gleichzeitig zeichnet sich aufgrund der demografischen Entwicklung ein gegenteiliger Trend ab. In den kommenden Jahren werden in zahlreichen Branchen Fach- und Arbeitskräfte fehlen. Unternehmen sollten frühzeitig ihr Rekrutierungsverhalten überdenken und verstärkt auf jene Personengruppen setzen, die am Arbeitsmarkt bislang benachteiligt werden. Dazu zählen neben langzeitbeschäftigungslosen Menschen auch Frauen, Personen mit Migrationsgeschichte sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Weitere Informationen zu arbeit plus Vorarlberg - Soziale Unternehmen

Personalvermittlung mit dem AMS

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Wir bringen Arbeitsuchende und Unternehmen zusammen. Durch persönliche Vermittlung, die Online-Jobplattform „alle jobs“ sowie in Zusammenarbeit mit Partnerinstituten. zusammenbringen.ams.at

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