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Mann an einem Laptop in IT-Umgebung
Arbeitssuchende fördern

„Möchte Vorbild für gelungene Integration sein“

Abdul Modaqiq macht derzeit über die Zukunftsstiftung Vorarlberg des AMS seine Lehre zum Informationstechnologen mit Schwerpunkt Betriebstechnik bei der Fein-Brennerei Prinz in Hörbranz.

Als Abdul Modaqiq 2016 aus Afghanistan nach Österreich kam, hatte er vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung auf Sicherheit, auf eine Zukunft und darauf, sich ein Leben aus eigener Kraft aufzubauen. Doch die Realität holte ihn rasch ein. Zunächst lebte er in Wien, doch arbeiten konnte er nicht, da er keine Arbeitserlaubnis hatte. „Ich wusste, wenn ich mich nur im Asylheim aufhalte, bekomme ich psychische Probleme. Ich musste also einen Weg finden, um zu arbeiten“, erinnert sich der 40-Jährige. Nach intensiver Recherche entdeckte er eine Möglichkeit.

Unter bestimmten Voraussetzungen durfte er als Selbstständiger tätig werden. Das war der Startschuss. Trotz Sprachbarrieren und kulturellen Herausforderungen holte er die praktische Führerscheinprüfung nach und verbesserte seine Deutschkenntnisse Schritt für Schritt. Er fand ein Paketdienstunternehmen mit Sitz in Salzburg, das österreichweit tätig war, und erhielt als Kleinunternehmer eine Zustelltour in Tirol. „Ich wollte mein eigenes Geld verdienen und nicht auf Kosten des Staates leben“, erzählt er, „für mich war wichtig, finanziell unabhängig zu sein, Steuern zu zahlen und so meinen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.“

Vom Neuanfang zur IT-Ausbildung

2021 wurde sein Vertrag als Kleinunternehmer jedoch aufgelöst. Daraufhin erzählten ihm Freunde von Vorarlberg, von der beeindruckenden Natur, den Bergen, dem Bodensee und den vielen attraktiven Unternehmen. Die Erzählungen machten ihn neugierig. „Okay, dann schaue ich nach Vorarlberg“, dachte er sich. Um sich eine Existenz aufzubauen, arbeitete er als Angestellter für ein Subunternehmen der Österreichischen Post AG in Wolfurt. Die Arbeit war jedoch körperlich derart belastend, dass er einen Bandscheibenvorfall erlitt und seine Beschäftigung verlor.

Lehrling Abdul Modaqiq mit Sanja Delic, Koordinatorin
für die Lehrausbildung bei der Fein-Brennerei Prinz in Hörbranz.

So wurde er beim AMS vorstellig, um seine beruflichen Möglichkeiten zu klären. „In Afghanistan habe ich einen Bachelor in Landwirtschaft gemacht. Meine wahre Leidenschaft galt aber schon lange der Informationstechnologie“, erzählt er. „Ich wollte verstehen, wie Hardware und Software zusammenspielen und wie IT in Unternehmen funktioniert.“ Um Modaqiq auf seinem Weg zu unterstützen, wurde er an INTEGRA Vorarlberg vermittelt, das im Auftrag des AMS die „Zukunftsstiftung Vorarlberg“ umsetzt. Gemeinsam mit seinem Betreuer machte er sich auf die Suche nach einem Ausbildungsbetrieb. Schließlich entstand der Kontakt zur Fein-Brennerei Prinz in Hörbranz, der Beginn seines beruflichen Neustarts.

Heute steht Modaqiq kurz vor dem dritten Lehrjahr als Informationstechnologe mit Schwerpunkt Betriebstechnik. In der Berufsschule zählt er zu den Besten seines Jahrgangs. Parallel absolviert er ein viersemestriges Seminar in der IT-Werkstatt des WIFI Vorarlberg, das er mit einem Projekt zur Netzwerk- und Server-Infrastruktur abschließen wird. Für den zweifachen Vater bedeutet das ein enormes Pensum. „Ich investiere fast meine gesamte Freizeit in die Ausbildung. Eigentlich bin ich ständig mit IT beschäftigt“, sagt er, „ich kann mich nicht erinnern, in letzter Zeit auch nur eine Stunde einfach verschwendet zu haben.“

Zwischen Familie, Lehre und Zukunft

Wie groß Modaqiqs Einsatz ist, erlebt auch Sanja Delic, Koordinatorin für die Lehrausbildung bei der Fein-Brennerei Prinz, jeden Tag. „Abdul ist kein typischer Lehrling“, sagt sie, „wenn er nach Hause kommt, dann ist er vor allem Ehemann und Vater. Während sich manche jüngere Lehrlinge nach der Arbeit auf die Couch legen, warten auf ihn familiäre Verpflichtungen.“ Umso beeindruckender sind sein Ehrgeiz und sein Wille, beruflich voranzukommen, wie Delic an einem Beispiel zeigt. „Um sich besser verständigen zu können, hat Abdul den WIFI-Kurs ‚Jetz vastand i di - Vorarlberger Dialekt verstehen‘ besucht. Das war für mich ein Highlight seiner bisherigen Ausbildung.“

Für die Koordinatorin zeigt Modaqiqs Werdegang, welchen Mehrwert die Zukunftsstiftung Vorarlberg schafft. „Am meisten profitieren die Menschen, die über dieses Modell zu Fachkräften ausgebildet werden“, sagt sie. „Sie erhalten die Chance, sich eine berufliche Perspektive aufzubauen. Gleichzeitig können wir als Unternehmen die Entwicklung einer Person über mehrere Jahre begleiten und ohne finanzielles Risiko herausfinden, ob wir fachlich und menschlich langfristig zusammenpassen.“

Abdul Modaqiq blickt jedenfalls mit großer Dankbarkeit auf seinen Weg in Österreich. Die Chancen, die sich ihm hier eröffnet haben, weiß er ebenso zu schätzen wie die Freiheiten, die für ihn alles andere als selbstverständlich sind. „Ich komme aus einer restriktiven Kultur. Deshalb bedeutet es mir sehr viel, mich hier frei entfalten zu können und keine Angst haben zu müssen, wenn ich nachts das Haus verlasse“, sagt er. „Mein Ziel ist es, einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Ich möchte ein Vorbild für gelungene Integration sein und meine Fähigkeiten weiterentwickeln, um sie zum Wohl meiner zweiten Heimat Österreich einzusetzen.“

Weitere Informationen zur Zukunftsstiftung Vorarlberg des AMS

Personalvermittlung mit dem AMS

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Wir bringen Arbeitsuchende und Unternehmen zusammen. Durch persönliche Vermittlung, die Online-Jobplattform „alle jobs“ sowie in Zusammenarbeit mit Partnerinstituten. zusammenbringen.ams.at

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