
Mit 59 zum Lehrabschluss mit Auszeichnung
Vom Tellerwäscher zum selbstständigen Gastronomen undschließlich zum Koch mit Lehrabschluss. Francesco Mineo hat beruflich vieleStationen durchlaufen.
Auf der Suche nach einem besseren Leben verließ der junge Francesco Mineo 1990 seine Heimat Sizilien und wagte einen Neuanfang. Sein Weg führte ihn nach Feldkirch, wo Bekannte aus seinem Heimatort ein italienisches Restaurant führten. Ohne Deutschkenntnisse kam der gelernte Elektrotechniker nach Vorarlberg. Seine Leidenschaft galt allerdings schon damals dem Kochen. Er wollte sich beruflich in diesem Bereich weiterentwickeln und begann zunächst als Tellerwäscher, später wurde er zum Pizzabäcker angelernt. „Die ersten Jahre waren schwierig“, erinnert sich Mineo. Doch Schritt für Schritt fand er sich besser zurecht. Durch den Kontakt mit anderen Menschen, deutschsprachiges Fernsehen und Offenheit für die neue Kultur eignete er sich die deutsche Sprache an.
Ohne Lehrabschluss geringere Bezahlung
Über verschiedene Stationen in der Gastronomie entwickelte sich Mineo beruflich immer weiter und wuchs zunehmend in die Rolle des Kochs hinein. Schließlich erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch: ein eigenes Restaurant zu führen. Von 2010 bis 2017 betrieb er gemeinsam mit einem Kollegen das Lokal „La Strada“ in Hohenems. „Ich wollte mir etwas Eigenes aufbauen“, erzählt Mineo. Anfangs lief das Geschäft gut. Doch mit einer Änderung des Verkehrskonzepts wurde der Standort zunehmend zum Nachteil. „Plötzlich war unser Lokal nur noch schwer erreichbar, und es gab kaum Parkplätze für unsere Gäste.“ Auch die Personalsituation stellte ihn vor enorme Herausforderungen.
Schließlich zog er einen Schlussstrich unter seine Selbstständigkeit und machte sich auf die Suche nach einer Anstellung als Koch. Dabei musste er feststellen, dass ihm trotz seiner langjährigen Berufserfahrung eine wichtige Voraussetzung fehlte: der formale Lehrabschluss. „Ich habe mich unter anderem bei einem Sozialzentrum und einem Krankenhaus beworben. Sie hätten mich zwar angestellt, aber ohne Lehrabschluss wäre ich in eine niedrigere Gehaltsklasse eingestuft worden. Das hätte rund 600 Euro weniger im Monat bedeutet.“
Das bestärkte ihn darin, noch einmal eine Ausbildung in Angriff zu nehmen und einen Lehrabschluss anzustreben. Da kam das Angebot des AMS gerade recht. „Über meine Beraterin wurde ich auf das Kompetenzzentrum Gastro in Landeck aufmerksam“, erzählt Mineo. Hier können Arbeitsuchende im Rahmen des „KAOS Bildungsservice“ eine gastronomische Ausbildung absolvieren, von der Basisschulung bis hin zum Lehrabschluss in den Bereichen Küche, Service oder Rezeption. Im Juni 2025 startete Mineo mit seiner Kochausbildung. „Ich wusste zunächst nicht, was mich erwartet, schließlich lag mein letzter Schulbesuch schon rund 40 Jahre zurück“, erinnert er sich.

Doch die anfänglichen Zweifel waren schnell verflogen. „Mein Trainer hat mich von Anfang an unterstützt, hat selbstständiges Arbeiten eingefordert und mir das Kochen von Grund auf neu beigebracht.“ Um sich voll und ganz auf die Ausbildung konzentrieren zu können, stellte Mineo nach einigen Monaten sein tägliches Pendeln von Feldkirch nach Landeck ein. Stattdessen bezog er ein Zimmer im Schulungshotel und widmete sich ganz seiner neuen beruflichen Herausforderung.
Bester Absolvent des Kompetenzzentrums Gastro
Mineo machte so rasche Fortschritte, dass er bereits im September 2026 zur Lehrabschlussprüfung antreten konnte. An die Stunden vor der Prüfung erinnert er sich noch genau: „Ich war sehr aufgeregt und konnte in der Nacht davor kaum schlafen.“ Doch die Nervosität war unbegründet. Mineo überzeugte die Prüfungskommission nicht nur mit seinem Können, sondern auch mit seinem Prüfungsgericht: „Die Prüfer waren von meinem Schweinsfilet mit Kroketten und Karottengemüse begeistert.“ Auch in den weiteren Bewertungskriterien, vom wirtschaftlichen Arbeiten über Sauberkeit bis hin zur Organisation, konnte er punkten. Mineo bestand die Lehrabschlussprüfung mit Auszeichnung. Damit ist er der erste Absolvent des Kompetenzzentrums Gastro seit fünf Jahren, dem dieses besondere Ergebnis gelungen ist.
Mit dem Lehrabschluss in der Tasche blickt Mineo seiner beruflichen Zukunft gelassen entgegen. „Ich habe bereits einige Jobangebote erhalten und werde mich nach einer anstehenden Operation für eine Stelle entscheiden.“ Bei der Wahl seines künftigen Arbeitsplatzes sind ihm geregelte Arbeitszeiten, die Raum für das Privatleben lassen, besonders wichtig. „Ich habe lange genug an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet. Außerdem merke ich körperlich, dass ich keine 20 mehr bin“, sagt er. Anderen älteren Arbeitsuchenden, die überlegen, noch einmal eine Ausbildung zu beginnen, möchte Mineo Mut machen: „Wenn man es wirklich möchte, sollte man es einfach versuchen. Natürlich muss man auch einiges investieren, und einem wird nichts geschenkt. Aber man sollte sich trauen, etwas Neues auszuprobieren.“
Kompetenzzentrum Gastro in Landeck/Tirol

Personalvermittlung mit dem AMS
Wir bringen Arbeitsuchende und Unternehmen zusammen. Durch persönliche Vermittlung, die Online-Jobplattform „alle jobs“ sowie in Zusammenarbeit mit Partnerinstituten. zusammenbringen.ams.at

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