
Berufliche Rehabilitation schafft neue Chancen
Das BBRZ - Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum in Götzis bietet Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen die Möglichkeit zur beruflichen Veränderung.
Wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt, gerät oft auch die berufliche Zukunft ins Wanken. Krankheiten, Unfälle oder chronische Beschwerden können dazu führen, dass Menschen ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können. Um ihnen neue Chancen am Arbeitsmarkt zu eröffnen, begleitet das BBRZ - Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum als wichtiger Partner des Arbeitsmarktservice Betroffene bei der beruflichen Neuorientierung und Wiedereingliederung. „Unsere Hauptzielgruppe sind arbeitslose Menschen zwischen 35 und 45 Jahren“, erklärt Iris Hochreiter, Geschäftsstellenleiterin Tirol und Vorarlberg beim BBRZ.
„Sie kommen mit ganz unterschiedlichen gesundheitlichen Einschränkungen zu uns - vom klassischen Bandscheibenvorfall bis hin zu psychischen Belastungen wie Burnout.“ Auffällig sei insbesondere der steigende Anteil von Personen mit psychischen Erkrankungen. „Vor allem jüngere Menschen sind davon stark betroffen. Die Pandemie stellte hier einen wesentlichen Einschnitt dar“, so Hochreiter. Zudem hat sich die Zahl aller Kundinnen und Kunden in den vergangenen Jahren verdoppelt. „Derzeit betreuen wir rund 80 Menschen, davon haben 64 Prozent Doppeldiagnosen, also psychisch und körperlich Einschränkungen. Das entspricht einem Anstieg von 24 Prozent zu früheren Jahren.“
Individuelle Orientierung und praxisnahe Ausbildung
Um diesen unterschiedlichen und zunehmend komplexen Unterstützungsbedarfen gerecht zu werden, bietet das BBRZ ein zweistufiges Rehabilitationsprogramm an. Das Angebot umfasst die Orientierungsphase, die bis zu 18 Wochen, sowie einer anschließenden berufliche Ausbildung, die bis zu zwei Jahre dauern kann. „Im ersten Schritt wird ein medizinisches Leistungskalkül erstellt, um zu erheben, welche Tätigkeiten unsere Kundinnen und Kunden noch nachgehen können“, beschreibt Hochreiter die Vorgehensweise. Anschließend erarbeitet ein multiprofessionelles Team gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden einen individuellen Orientierungsplan im Rahmen eines Kompetenzmodells. Am Ende des Prozesses kann ein begleiteter Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt oder eine individuelle Qualifizierung im BBRZ stehen.

„Aktuell absolvieren 50 Personen eine Ausbildung direkt in Unternehmen, vor allem im kaufmännischen Bereich, aber auch in der IT, etwa in den Bereichen Coding, App-Entwicklung oder Systemtechnik“, berichtet Hochreiter. Die Kontakte zu den Betrieben werden über das hauseigene Firmenservice gepflegt, dessen Reha-Coaches die Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen begleiten. „Wir arbeiten mit einer Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen zusammen, von großen Industriebetrieben bis hin zu Organisationen des öffentlichen Sektors“, so Hochreiter. Für Ausbildungszeiten werden Lohn- und Lohnnebenkosten übernommen, wobei die Teilnehmenden drei Tage pro Woche im Betrieb verbringen und zwei Tage beim BBRZ. „Im besten Fall werden unsere Kundinnen und Kunden nach Beendigung der Ausbildung in ein Dienstverhältnis übernommen. Die langfristige Beschäftigungsintegration lag 2024 bei 88 Prozent.“
Enge Begleitung für nachhaltige Integration
Trotz der guten Zusammenarbeit mit den Unternehmen wirkt sich die angespannte Wirtschaftslage zunehmend auf deren Einstellungsbereitschaft aus. Das spiegelt sich auch in rückläufigen Vermittlungszahlen wider. „Wir arbeiten mit Betrieben zusammen, die grundsätzlich gerne ausbilden. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehen manche jedoch von einer Übernahme in ein reguläres Dienstverhältnis ab“, erklärt die Geschäftsstellenleiterin. Wie unterschiedlich Menschen mit den Anforderungen des Arbeitsalltags umgehen, zeigt sich an der Zahl der Ausbildungsabbrüche. „Manche unserer Kundinnen und Kunden kommen mit den Belastungen am Arbeitsplatz nicht zurecht.
Hinzu kommen finanzielle Sorgen, da sie während der Ausbildungszeit nur über ein begrenztes Einkommen verfügen. Auch persönliche Schicksalsschläge können Menschen in einer ohnehin herausfordernden Lebensphase an ihre Grenzen bringen“, schildert Hochreiter. Dabei ist der enge Austausch mit den Unternehmen von zentraler Bedeutung. Um die Abbruchquote möglichst gering zu halten, werden bereits im Vorfeld intensive Gespräche mit den Personalverantwortlichen geführt und klare Ziele vereinbart. So sollen Missverständnisse und unerwartete Herausforderungen vermieden werden. „Während der Ausbildungszeit bieten wir ein ganzheitliches und kompetenzorientiertes Unterstützungsangebot, von medizinischer und sozialarbeiterischer Begleitung bis hin zur Weitergabe vermittlungsrelevanter Inhalte“, betont Hochreiter.
Für die Zukunft wünscht sich die Geschäftsstellenleiterin mehr Bewusstsein für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen am Arbeitsmarkt und einen differenzierteren Blick auf deren Situation. „Menschen mit Beeinträchtigungen sind ohne Arbeit stärker gefährdet, sozial ausgegrenzt zu werden, mit weitreichenden gesellschafspolitischen Folgen. Daher ist eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt umso wichtiger.“

Personalvermittlung mit dem AMS
Wir bringen Arbeitsuchende und Unternehmen zusammen. Durch persönliche Vermittlung, die Online-Jobplattform „alle jobs“ sowie in Zusammenarbeit mit Partnerinstituten. zusammenbringen.ams.at

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